In den meisten Fällen wird der Morbus Crohn mit Immunsupresiva und Cortisonen behandelt. Bei Patienten, bei denen diese Therapien allerdings versagt, kann eine Hochdosis-Chemo plus Stammzelltransplantation erwogen werden.

Hochdosis-Chemo plus Stammzelltransplantation

Das Therapiekonzept der  Hochdosis-Chemo plus Stammzelltransplantation zur Behandlung von Morbus Crohn wurde erstmals im August 2002 im Freiburger Universitätsklinikum bestätigt

Das Ziel dieser Methode ist es, den Körper bzw. das Immunsystem anhand einer hochdosierten Chemotherapie auf „null“ herunter zu fahren und anhand der gesammelten Stammzellen wieder neu zu starten. Dies ist möglich, da Morbus Crohn als Autoimmunkrankheit zählt.

Zum Magazin-Beitrag

Artikel: Heilung durch eigene Stammzellen - ampuls Magazin - Ausgabe 1/2012

ampuls magazin – Ausgabe 1/2012

 Die Autologe Stammzell-Transplantation

Die Autologe Stammzelltransplantation ampuls Magazin - Ausgabe 1/2012

Foto: Infografik Die Wet

Die Stammzelltransplatation von Steffi

Steffi in der Kampagne “Jeder Mensch ist einzigartig”

Steffi in der Kampagne „Körperstolz“

„Sie sind austherapiert“

Dieser Satz traf Steffi, die an Morbus Crohn erkrankt ist, wie ein Schlag.

In den 14 Jahren Therapie hatte sie alle Medikamente ausgetestet. Sie hatte außerdem bereits eine doppelläufige Stoma Anlage, die eigentlich nur vorübergehend sein sollte. Ihr Dickdarm wollte aber einfach nicht abheilen.

Als letzte Möglichkeit schlug ihr der Arzt die autologe Stammzelltransplantation vor.

Wie zuvor zu lesen ist, soll anhand der Methode,  der Körper bzw. das Immunsystem anhand einer hochdosierten Chemotherapie heruntergefahren und anhand der gesammelten Stammzellen wieder neu gestartet werden.

Steffi entschied sich schließlich für diese Transplantation, mit der Hoffnung, den Morbus Crohn damit auszulöschen und den künstlichen Ausgang dann wieder zurück verlegen zu lassen.

Daraufhin fand der Vorstellungstermin bei dem zuständigen Hämatologen/Onkologen in Lübeck statt. Bei ihm war Steffi erst die zweite Patientin, an der die autologe Stammzell-Transplantation durchgeführt werden sollte.

Der Arzt empfahl Steffi, Eizellen einfrieren zu lassen. Da die hochdosierte Chemo die Eileiter angreift, könnte es sein, dass sie keine Kinder mehr auf normalem Weg bekommen kann. Dies sollte zwischen 2500-3000 Euro kosten. Eine Stiftung übernahm die Kosten.

Diese Behandlung dauert circa 6 Wochen, ist aber auch abhängig von der letzten Regelblutung. 14 Tage lang wurden Steffi Hormone gespritzt. Anschließend wurde gewartet, bis die Eizellen reif sind und daraufhin entnommen.

Allerdings weigerte sich die Krankenkasse für die autologe Stammzelltransplantation zu zahlen. Diese bezeichneten es als ein hochexperimentelles Verfahren. Steffis Klinik erklärte sich allerdings dazu bereit, die Behandlung über Studienzwecke abzurechnen.

Stammzellen züchten und sammeln

Steffi bekam vier Tage lang eine hochdosierte Chemotherapie im Krankenhaus. Diese hatte sie recht gut vertragen.

„Beim Einlaufen in die Vene war mir ein wenig schummrig, die Nase hat extrem gekitzelt und ich habe mich nicht fit gefühlt.“

Ziel dabei war es, dem Körper einen Anstoss zu geben. Er sollte mehr Stammzellen produzieren und diese so zu vermehrt in die Blutbahn bringen. Dies dauerte ca. 10 Tage.

Wieder daheim – Black out

Wieder daheim angekommen, brach Steffis Körper zusammen. Sie fieberte stark und erbrach den ganzen Tag. Dies war auf die Nebenwirkungen der Chemotherapie zurückzuführen. Außerdem war Steffis Körper von einem Infekt betroffen, der mit vielen verschiedenen Antibiotika behandelt werden musste.

Dialyse in Kiel

Anschließend musste Steffi zur Dialyse nach Kiel. Hier wurden ihr die Stammzellen über sechs Stunden lang aus den Blutbahn gefiltert. Dieser Vorgang war relativ schmerzfrei.

6 Wochen Pause

In der Pausen-Phase wurden die Zellen aufgearbeitet bzw. in mehreren Generationen weitergezüchtet.In dieser Zeit bekam Steffi Haarausfall.

“Ich konnte sie büschelweise rausziehen ohne dass es mir weh tat, mir brannte nur die Kopfhaut extrem.“

Steffi hatte sich allerdings bereits im Vorfeld eine Perücke besorgt. Diese wurde witziger weise von der Krankenkasse übernommen.

Isolierstation

Anschließend musste Steffi für sieben Wochen ins Krankenhaus auf die Isolierstation.

Am ersten Tag begann die Chemotherapie mit schweren Nebenwirkungen für Steffi. Sie war nach nur einer Woche völlig abgeschwächt und kraftlos. Insgesamt vier hochdosierte Chemos haben gereicht das Immunsystem vollständig „platt zu machen“.

Steffi schlug sich tapfer. Außer den Nebenwirkungen von der Chemotherapie ging es ihr relativ gut. Trotzdem war ihr Zustand äußerst kritisch. Jede kleinste Infektion wäre ihr Todesurteil gewesen.

Tag der Transplantation

Jetzt war der Tag der eigentlichen Transplantation gekommen. Dazu werden die Stammzellen aus der Stickstoffflüssigkeit geholt, in einer Art Mikrowelle aufgetaut und dann über den zentralen Venenkatheter in den Körper gebracht. Es war eine Sache von Minuten und doch ein Erlebnis, dass Steffi nie vergessen wird.

„Beim Einlaufen der Zellen in den Körper reagierte dieser sofort. Der ganze Körper kribbelte und ich hatte den Geschmack von Knoblauch in meinem Mund.“

Hoffen und Bangen

Steffi war allerdings noch lange nicht außer Lebensgefahr, denn die Zellen mussten sich erst ansiedeln und vermehren. Ob der Körper diese Zellen annahm war noch nicht sicher. Jeden Tag wurde Blut entnommen und die Anzahl der Zellen gemessen. Am vierten Tag dann endlich die erlösende Nachricht, dass die Zellen  sich angesiedelt haben.

„Es war wie eine Wiedergeburt für mich.“

Jeden Tag erhöhte sich die Anzahl der Zellen und nach sieben Wochen Isolation durfte Steffi endlich wieder nach Hause.

Zu Hause

Wieder zu Hause mussten einige Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Steffi durfte beispielsweise noch nicht alles essen und musste Menschenmassen meiden, um Kontakte zu infektiösen Viren und Bakterien zu unterbinden.

Nach der Transplantation

Es dauert circa 1 – 1,5 Jahre, bis wieder ein vollständiges Immunsystem hergestellt ist.

Sechs Monate nach der Transplantation stellte sich im Ultraschall ein ausgeheilter Dickdarm dar

Somit war klar: Die Transplantation war erfolgreich!

Allerdings hat der Morbus Crohn seine Spuren hinterlassen und den Dickdarm so zerstört, dass er nie wieder richtig arbeiten wird. Steffi muss sich damit abfinden, den künstlichen Darmausgang für immer zu behalten.

„Die Transplantation ist zwar nicht mit dem gewünschten Erfolg ausgegangen, trotzdem habe ich viel gewonnen und zwar ein völlig normales Leben und endlich eine gesunde Lebenseinstellung, die mich zu einem glücklichen Menschen macht.“

Kinderwunsch

Die hochdosierte Chemo kann einige Nebenwirkungen auslösen, unter anderem auch die Unfruchtbarkeit der Frau. Um einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen werden vor der Behandlung Eizellen entnommen. Die jährlichen Kosten für das Einfrieren der Eizellen liegen ca bei 700 Euro und müssen leider meist selbst übernommen werden.
Es sind nun, 3 Jahre nach der Behandlung, alle Untersuchungen durch die Kinderwunschklinik abgeschlossen, sowie auch der aktuelle Zyklus jeden Tag überwacht. Und es hat sich herausgestellt, das es bei Steffi trotz der Chemo möglich ist, Kinder auf normalem Weg zu bekommen.

„Den ersten Eisprung haben wir leider verpasst, aber wir arbeiten weiter eng mit der KiWu Klinik zusammen!“


 

Colitits Ulcerosa

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weiterführende Links

http://www.wissensschau.de/stammzellen/adulte_stammzellen_vorteile.php

http://www.morbus-crohn.de/de/Behandlung/stammzelltherapie-ueberarbeitet.php

http://www.medical-tribune.de/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/stammzellen-beruhigen-crohn-darm.html